Donnerstag, 25. September 2008

Zettelwirtschaft

In der bisherigen Woche stand die Verlängerung unserer Visa im Mittelpunkt. Nachdem wir vergangenen Freitag eine Zettelsammlung in der Visastation an der Uni abgegeben hatte, konnten wir am Dienstag einen weißen Zettel abholen. Mit diesem mussten wir dann in einen anderen Raum, abstempeln lassen und dann auf zur Polizei. Die Polizeistation, die sich um die Visa kümmert, liegt auf der anderen Seite der Stadt, etwa 50 Minuten mit dem Taxi - je nach Verkehrslage. Dort stellt man erstaunt fest, dass es in China doch auch eine gewisse Ordnung gibt. Man zieht eine Nummer und wartet brav bis man dran kommt. An der Reihe, wird man von einem nicht englischsprechenden (das bräuchte ich eigentlich kann nicht mehr erwähnen, ist ja immer so) Chinesen empfangen und man gibt einfach wieder eine Zettelsammlung, den weißen Zettel aus der Uni mit rotem Stempel und dann noch den Reisepass ab. Ein Foto muss auch noch dazu gelegt werden, aber nur mit blauem oder weißen Hintergrund. Diese Prozedur habe ich jetzt erfolgreich hinter mich gebracht, jetzt habe ich einen gelben Zettel. Dieser gelbe Zettel berechtigt uns nun, durchs Land zu reisen. Er ist quasi ein Pass-Visum-Ersatz. Fliegen ist je nach Airline erlaubt, aber eindeutige Aussagen gibt es hierfür auch nicht. In einer guten Woche be ich dann hoffentlich Pass mit verlängertem Visum in den Händen. Glücklicherweise gehöre ich zu denjenigen, bei denen bisher alles gut geklappt hat. Es gibt einige aus unserer Gruppe, die noch große Probleme haben. Es heisst dann immer "mei yong" (nicht haben) und dann wird man zurückgeschickt. Alles etwas seltsam. Einer aus unserer Gruppe, der schon lange in Deutschland mit deutschem Pass lebt, musste sogar in seinen chinesischen Geburtsort fliegen um seine Registration aufzuheben.
Einige werden sich vielleicht fragen, warum ich ständig von Reisen spreche. Nächste Woche ist die so genannte Golden Week. Anlässlich des Nationalfeiertags haben alle Chinesen in dieser Woche frei. Wir nutzen die Zeit zum Reisen. Letzten Montag habe ich an einem Schalter nach 1 1/2 stündigen Warten Zugtickets ergattert, sogar ganz alleine, ohne englischsprachige Hilfe, dafür mit Händen und Füßen. Nun habe ich aber die Tickets und Samstag morgen brechen wir in die Provinz Shanxi auf. Diese liegt südwestlich von Peking. Voraussichtlich sind wir nur zu zweit, Sebastian und ich. Die anderen Gruppen von uns hatten entweder für uns unpassende Ziele oder waren schon zu groß. In Shanxi gibt es einige Sehenwürdigkeiten, unter anderem in einer Felswand hängende Klöster, Orte, die von der UNESO zum Weltkulturerbe ernannt wurden, Tempel, Gebirgsketten, Schluchten und vieles mehr. Wir werden als Rucksack-Touristen unterwegs sein und uns jeweils vor Ort um ein Hostel kümmern. Nach unserem jetzigen Planungsstand erkunden wir die Städte/ Dörfer Datong, Pingyao, Wutai Shan und Laoniuwan. Auf das letzte Dorf bin ich am meisten gespannt. Dieses habe ich in einem Peking-Blättchen entdeckt und es sieht auf den Fotos ganz toll aus.
Am 6.10. geht die Uni hier normal weiter. Die ersten zwei Wochen haben gezeigt, dass die Dozenten hier viel Wert auf Gruppenarbeit, Hausaufgaben, Projekte usw. legen. Daher sind wir gut beschäftigt. Aber es funktioniert alles prima bisher. Mitte Oktober werde ich mich auch um eine Studienarbeit kümmern müssen.
Heute Morgen habe ich noch eine tolle Einladung bekommen: Empfang in der Deutschen Botschaft anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Da nächste Woche wie gesagt alle Chinesen frei haben, konnte kein Catering-Service gefunden werden und so wird der Empfang erst am 8.10. statt. Es werden hochrangige Gäste aus der deutschen Politik erwartet!
Und noch ein kleiner Leckerbissen am Schluss: Im Supermarkt habe ich sehr vielversprechende Schokoladenkekse gefunden. Leider entsprach der Inhalt nicht ganz der Abbildung:

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