Montag, 20. Oktober 2008

Wochenende auf der Großen Mauer

Letztes Wochenende hat es uns zur Großen Mauer (changcheng) verschlagen. Da demnächst unsere ersten Klausuren - Midtermexams - anstehen, wollten wir unser freies Wochenende bei herrlichem Sonnenschein nutzen und so ging es Samstags gegen Mittag los. Leider war die Anreise nach Jinshangling wesentlich länger als gedacht: aus einer Stunde Busfahrt wurden vier und wir erreichten die Mauer erst bei Dämmerung. Das war natürlich nicht ganz geplant, aber eine Nachtwanderung auf der Großen Mauer erlebt man auch nicht alle Tage. Mit Taschenlampen ging es steil bergauf und bergab, teilweise waren die Treppenstufen so steil, dass man mit allen Vieren hochkletterte. Dieses Stück der Mauer war also unrestauriert und teilweise sogar im Urzustand. Die Wanderung war recht anstrengend, vor allem weil wir noch unseren ganzen Proviant auf dem Rücken schleppten. Nach einer knappen Stunde fanden wir einen alten Wachturm, der unser Nachtlager werden sollte. Die Zelte wurden aufgebaut, Holz gesucht und schon saßen wir in gemütlicher Runde mit Würstchen und Rotwein um unser Feuer. Der Anblick der Mauer bei Halbmond war sehr imposant und wir genossen die Stille jenseits von Peking. Am nächsten Morgen wollten wir dann zumindest denn Sonnenaufgang gucken wenn wir schon den Sonnenuntergang verpasst hatten. Wir wurden nicht enttäuscht und hatten faszinierende Anblicke - ein Panorama, das seines gleichen sucht. Leider wurde unsere Idylle durch eine Frau gestört, die sich als "Aufpasserin" entpuppte. Sie zeigte auf die Feuerstelle und schimpfte auf chinesisch. Schnell holte sie über Handy Verstärkung und ehe wir uns versahen, stand noch ein Chinese mit roter Armbinde und irgendeinem Ausweis vor uns. Wir durften angeblich nicht weitergehen, sondern sollten wieder mit runter und dann ... keine Ahnung! Die heikle Situation konnten wir zum Glück mit einem Bestechungsgeld von umgerechnet 20 Euro auflösen und wir setzten unseren Weg nach Simatai fort. Auch bei Tageslicht war die Landschaft mit Mauer gigantisch und nach etwa 8 km kamen wir endlich in Simatai an. Dort gabs einen kleinen See mit sauberem (!) Wasser. Als wir unten am See die Sonne genossen, entdeckten wir eine Art Seilbahn, auf der man über den See zum Ufer rutschen konnte. Den Spaß ließen wir uns nicht nehmen und seilten uns ab. Zurück nach Peking gings dann mit zwei Mini-Bussen, das dauerte zum Glück nicht so lang denn wir waren alle sehr müde. Ein tolles Wochenden mit unvergesslichen Eindrücken, das bestimmt nicht unser letztes auf der Großen Mauer war!

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