Nun aber von vorne.
Nachdem wir einen Tag in Datong verbracht haben, sind wir Montag früh Richtung Wutai Shan aufgebrochen, eine Gebirgskette süd-östlich von Datong. Der Reisebus ruckelte ordentlich, aber wir hatten immerhin einen Sitzplatz. Der Weg schlängelte sich immer weiter hoch und als wir eine kurze Pause an einem kleinen Fluss machten, waren wir überrascht von der frischen Luft, wir konnten sie nicht genug einatmen. Weiter gings in die Berge, entlang an Äckern, wo Kuh und Esel noch den Pflug ziehen. In Wutai Shan angekommen, fanden wir eine Unterkunft im Hotel Foguo, sehr einfach gehalten, ohne Heizung, dafür morgens mit warmen Wasser. In den buddistischen Klöstern und Tempeln gabs viel zu sehen: bunte Gebetsfahnen, Mönche, die sich gerade ihre Haare rasierten, Pilger... In dem ein oder anderen Kloster genossen wir einfach die Ruhe, saßen in der Sonne und schauten den Mönchen bei ihrem Treiben zu. Ein Ausflug mit der Gondel auf einen gegenüberliegenden Berg bescherte uns noch einen tollen Sonnenuntergang. Am nächsten Tag sind wir dann auf einen Gipfel gewandert, etwa 2500 Meter hoch. Auch hier hatten wir unsere Ruhe, nur vier Chinesen kreuzten den Weg. Am Gipfel angekommen fanden wir wieder ein Kloster und hatten eine tolle Aussicht auf die Berge. Da wir keine genaue Karte von den Wanderwegen hatten, fuhren wir sicherheitshalber mit einer kleinen Karre wieder ins Tal. Diese Fahrt glich einer Achterbahn, die Wege waren voller Schlaglöcher, die Karre total überfordert. Aber wir kamen unten an! Mit einem Bus fuhren wir bis zu unserem Hotel weiter und lernten einen Kanadier kennen. Diesen brachten wir in unser Hotel, da er noch keine Unterkunft hatte. Eigentlich wollten wir dann nur unsere Rucksäcke holen und auf zum Busbahnhof eilen, da wir einen Bus nach Taiyuan erreichen wollte. Die Hotelbesitzerin machte uns deutlich, dass wir warten sollten und sie hätte irgendwo angerufen. Die Zeit verging, unser Bus war theoretisch auch schon abgefahren. Dann kam ein kleiner Minibus der uns zum Busbahnhof bringen sollte. Dieser hielt dort aber nicht an, sondern holte den abgefahrenen Bus nach Taiyuan an einer Tankstelle ein. In dem Bus gabs dann aber keinen Sitzplatz mehr für uns. Das Problem löste der Busfahrer für uns, indem er zwei Chinesen aufforderte aufzustehen. Diese mussten dann stehen, wir durften sitzen - das war uns natürlich auch unangenehm.
In Taiyuan angekommen machten wir uns wieder auf die Suche nach einer Unterkunft. Das stelle sich als schwierig heraus, da die Hotels entweder belegt waren oder unser gelber Zettel (Passersatz) nicht akzeptiert wurde. Auf einmal standen wir dann auf der Straße mitten in einer Gruppe von etwa 30 Mädels, um die 12-14 Jahren. Sie kreischten und fragten uns auf englisch nach unserem Namen. Wir waren auf einmal die Superstars! Doch weiter gings auf unserer Suche nach einem Hotel. Schließlich kehrten wir in das Hotel of Defence ein, in dem zufällig diese Gruppe von Mädels waren. Dementsprechend war die Vorhalle wieder in heller Aufruhe, die Europäer waren da! Hier fanden wir nun doch noch ein Zimmer.
Von Taiyuan führte uns der Weg am nächsten Morgen nach Pingyao. Auch hier profitierten wir von unserem westlichen Aussehen. Ein mitleider Blick am Informationschalter und schon holte uns eine Dame die Tickets und ersparte und damit mühsames Warten an einem Ticketschalter (kann oft auf eine Stunde dauern). In Pingyao ging die mühsame Unterkunftsuche weiter, wir fanden dann aber doch recht zügig eine Unterkunft und sogar Chinesen, die ein paar Worte Englisch konnten. Pingyao ist eine alte Stadt, angeblich am besten erhalten in ganz China und zum Weltkulturerbe erklärt. An den Häusern hingen überall rote Laternen die der Stadt ihr eigenes Flair verliehen. Wir schlenderten stundenlang durch die Gassen, beobachteten die Menschen und an den Straßenrändern gabs viele kleine Stände, wo man sich etwas zu essen holen konnte. Zwischendurch wurden wir zum begehrten Zielobjekt von chinesischen Schülern, die es auf Touristen abgesehen hatten um ihr Englisch zu verbessern. Nach einigen Autogrammstunden und Fragerunden ("Lets talk about some topics") hätten wir aber am liebsten doch unsere Ruhe gehabt.
Von Pingyao gings wieder zurück nach Tayuan um von dort aus nach Shouzhou zu fahren. In dem Zug gabs leider keine Sitzplätze mehr, so mussten wir uns vorerst mit Stehplätzen zufrieden geben. Nach 1 1/2 Stunden fanden wir dann doch auch eine Sitzgelegenheit und ein Chinese unseren Alters suchte immer wieder das Gespräch mit uns. Dabei gabs immer wieder kuriose Momente, z.B. als er sagte, dass er immer dachte, dass die Europäer immer groß und stark wären. Anscheinend entsprachen wir nicht seinen Vorstellungen. In Shouzhou begann das Reiseabenteuer erst richtig, da wir ab nun an keinen Reiseführer mehr hatten, der die Städte kannten. Wir hatten nur in einem Magazin über ein chinesisches Dorf Laoniuwan gelesen, zu dem wir über diese Städte hinfahren wollten. Der Chinese aus dem Zug stellte erwies sich als sehr hilfsbereit und organisierte uns ein Zimmer in einem Hotel (zuvor waren wir schon andere Hotels abgefahren, in denen es vor Kakerlaken wimmelte) und fragten nach Bussen, die uns weiter Richtung Laoniuwan bringen sollten. Als Dankeschön luden wir ihn und seine Freundin zum Essen ein. Es gab Hotpot mit sehr leckeren Zutaten und wir stellten einmal mehr fest, dass die Chinesen andere Preise zahlen als Ausländer. Da wir uns als Freunde der Chinesen ausgaben, gabs für uns die chinesische Rechnung.
Am nächsten Morgen gings mit dem Bus nach Pianguan, wo wir in den Bus nach Laoniuwan umsteigen sollten. Im Bus gabs leider keinen Sitzplatz, wir wurden umringt von Chinesen die unbedingt mit uns kommunizieren wollten, mit mehr oder weniger Erfolg. Wir lernten dabei einen amerikanischen Jungen kennen, der als Schüleraustausch in China war. Dieser fuhr nun mit seiner chinesischen Gastfamilie auch zufälligerweise nach Laoniuwan. Auf diese Familie war wieder unheimlich gastfreundich und wir durften einfach der Gruppe beitreten. Der Familienvater organisierte in Pianguan kleine Minibusse, mit denen wir weiter nach Laoniuwan fahren sollten. So einfach wie wir uns das vorgestellt hatten mit dem Umsteigen wäre es sicherlich nicht gegangen ohne fremde Hilfe. Und da wir nun Mitglieder der chinesischen Reisegruppe waren, gabs für uns nun auch nur noch chinesische Preise. Der Familienvater kannte sich aus und während der Fahrt nach Laoniuwan hielten wir an der ein oder anderen Sehenswürdigkeit wie einem Staudamm, tollen Aussichtspunkten usw. Nach längerer ruckeliger Fahrt kamen wir nun in Laoniuwan an. Dieses Dorf besteht aus kleinen Bauernfamilien, die in höhlenartigen Gemäuern leben. Es liegt am Yellow River (Huang He), der zweitgrößte Fluss Chinas, und enthält alte Überreste der chinesischen Mauer, die in den Yellow River münden. Dieses Dorf war der absolute Höhepunkt unserer Reise! Keine Touristen, eine Idylle, die seines Gleichen sucht, eine unbeschreiblich schöne Landschaft - unglaublich! Wir genossen die Landschaft und spazierten entlang des Flusses, streiften kleine verlassene Häuschen und fuhren sogar eine kleine Runde mit einem Motorboot auf dem Fluss. Abends gabs leckeres Essen auf dem Hof wo wir mit unser Reisegruppe untergekommen waren. Ein Schwein, Schafe und Hühner waren direkt mit auf dem Hof - die ganze Region ernährte sich ausschließlich von ihrer Landwirtschaft. Die Frauen unserer Reisegruppe waren sehr besorgt und gaben uns ständig Essen nach, so viel konnten wir kaum essen. Übernachtet wurde in einer Art Höhle auf einer dünnen Matratze im Schlafsack. Die Dusche fiel natürlich aus (gabs nicht) und als Toilette gabs eine kleine Grube hinter einem Mäuerchen. Hände wurden in einer Plastikwanne gewaschen. Alles sehr einfach, aber dafür bekamen wir China hautnah mit. Morgens machten unsere "Mädels" (etwa 50-70 jährige Frauen aus unserer Reisegruppe) Morgengymnastik und hatten so viel Spaß dabei, dass wir selber von der guten Stimmung angesteckt wurden. Danach wieder Frühstück in der chinesischen Runde mit frischem Brot (eher wie Dampfnudeln) und einer etwas schleimigen Reissuppe. Nicht jedermanns Geschmack, aber wir aßen alles mit.
Am Samstag machten wir uns nun auf den Rückweg, über Shouzhou nach Datong. Dort gab es leider keine Möglichkeit mehr abends noch nach Peking zurückzukommen, daher mussten wir eine Nacht in Datong verbringen und heute Morgen mit dem Bus fahren.
Die Reise war super! Wir hatten natürlich auch viel Glück da wir zwischendurch auf sehr hilfsbereite Chinesen gestoßen sind. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber es würde nicht reichen um das in Worte zu fassen was wir erlebt haben. Ich freue mich schon auf unseren nächsten Trip!
Leider sind meine Fotos defekt. Ich habe lediglich einige Videos:

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