Mittwoch, 19. November 2008

Shanghai – Suzhou – Tongli

Mit dem Softsleeper ging es vergangenen Donnerstag Richtung Shanghai. Softsleeper ist die Bezeichnung des luxuriösen Schlafwagens. Wer jedoch mein, dass die Betten auch weicher sind als im Hardsleeper, der täuscht. Immerhin gibt es aber vernünftige Bettwäsche und abgeschlossene Abteile. Das Schnarchen und Furzen der mitreisenden Chinesen muss man einfach ausblenden. Freitag Morgen kamen wir nun in Shanghai an, Sonnenschein und wesentlich wärmer als in Peking. Nachdem wir unsere Unterkunft bezogen hatten gings dann zu Fuss quer durch die Stadt. Auch wenn die Stadt recht groß ist, lässt sie sich gut zu Fuss erkunden. Shanghai hat sich selbst zum Finanzzentrum Asiens ernannt und das Stadtbild lässt an diesem Bestreben keinen Zweifel. Durch die Stadt fliesst der mächtige Fluss Huangpu Jiang. Auf der westlichen Seite, dem sogenannten Bund, stehen alte Bauten, teilweise sogar von europäischen Architekten erbaut. Auf der östlichen Seite, der Pudongseite ist auf ehemaligem Ackerbauland ein modernes Wolkenkratzerviertel entstanden. Es wurden in den letzten Jahren so viele Wolkenkratzer gebaut, dass das Land mittlerweile jedes Jahr um 4 cm absackt. Und es werden noch weitere Hochhäuser gebaut – wo man auch hinguckt, es gibt sehr, sehr viele Baustellen! So weicht das alte Shanghai mit traditionellen, chinesischen Bauten immer mehr einem modernen, westlichen Shanghai. So westlich, dass man es kaum noch als chinesisch wahrnimmt. In riesigen Shopping-Malls fühlt man sich schon fast wie in Europa oder Amerika. Man spürt quasi den Puls der Stadt, immer schneller, besser, höher… Wenn zum Beispiel die Türen von der U-Bahn aufgehen, laufen (nicht gehen!) die Menschen um die nächste U-Bahn zu erreichen. Wer weilt, verliert – so scheint es zumindest. Shanghai ist eine beeindruckende Stadt. Unseren zweitägigen Shanghai-Aufenthalt beendeten wir mit einem schönen Ausblick von einer Bar im Jing Mao Tower (402,5 m hoch). In diesem Tower ist das Grand Hyatt Hotel angesiedelt und auf der 87. Etage gibt es eine schöne Bar. Diese hatte zwar auch gesalzene Preise, aber die Aussicht war es allemal wert.

Von Shanghai ging es weiter nach Suzhou, westlich von Shanghai gelegen. Diese Stadt ist vor allem durch seine Gärten bekannt. Ursprünglich gab es hier über hundert angelegte Gärten, heute nur noch eine Handvoll, die ein Spiegelbild der chinesischen Wertschätzung für Ausgeglichenheit und Harmonie darstellen und zum Welterbe der Unesco gehören. In den Gärten fanden wir in der Tat die Ruhe, die wir in Shanghai vermisst hatten. Allerdings hat die Stadt sonst auch nicht sehr viel zu bieten, außer noch einigen Pagoden, die nett anzuschauen sind. Von Suzhou ging es weiter in die Kanalstadt Tongli. Bei der Ankuft wurden wir als wir aus dem Bus ausgestiegen waren direkt von Chinesen umlagert, die uns mit ihrer Rikscha ins Stadtzentrum bringen wollten. Für 10 Yuan (umgerechnet 1 Euro) ließen wir uns auf den Spaß ein. Der Chinese kam allerdings schnell ins Schwitze und musste zwei Mal schieben, weil wir mit Rucksack zu schwer waren. War uns etwas unangenehm, aber er wollte es ja unbedingt machen. Tongli lebt von ihrer alten Architektur und durch die vielen Kanäle, die durch die Gassen fließen. Die Stadt ludt zum Bummeln ein oder einfach auch nur am Straßenrand einen Tee zu genießen und hatte ein sehr gemütliches Flair. Leider wurde Niko in Tongli krank, so dass die restliche Reise im Wesentlichen darin bestand, den Kranken wieder glimpflich nach Peking zu bringen. Das ging zum Glück recht gut, nun kuriert er in Peking seine Krankheit bevor er am Freitag wieder Richtung Heimat fliegt.

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